Matthias Exl am Strand am Finisterre

Die Angst vor der Einsamkeit im Herzen

In Gesundheit für die Seele by Matthias A. Exl15 Kommentare

Mittlerweile treffen immer mehr Pilger an den Stränden von Finisterre ein. Das „Ende der Welt“ faszinierte mit seiner Schönheit schon viele Suchende. Viele der Pilger finden sich abends am Weststrand ein, es wird über Nacht gemeinsam am Lagerfeuer gesessen, viel gesprochen, gelacht und musiziert. Doch selbst in dieser Eintracht der Gesinnung, dem Frieden des Moments blicke ich oft in Augen von Menschen, die eines suchen: das Gefühl angenommen, geliebt und gesehen zu werden. Eine Suche, die einen Sinn in sich verbirgt: der Angst vor der eigenen Einsamkeit zu entfliehen.

Immer mehr wird mir hier bewusst, wie selbst unter den idealsten Bedingungen der Mensch unweigerlich seinem größten Feind begegnet: dem eigenen verzerrten Blick auf eine scheinbare einsame Wirklichkeit, die sich „mein Leben“ nennt. Wodurch entsteht die Verzerrung?
In den meisten Fällen ist es die ständig vorhandene Angst vor Ablehnung, die Suche nach Zugehörigkeit und Gemeinsamkeiten. „Mag mich mein Partner noch“, „was denken die Kollegen über mich?“, „was werden meine Eltern sagen…“ sind nur Ausdrücke einer Angst davor, eine Form von Sicherheit vermittelnder Zugehörigkeit zu verlieren. Verliere ich meine Partnerschaft, meinen Job oder meine Familie, könnte ich einsam enden. Einsamkeit! Welch entsetzliches Wort – selbst in der besten Gesellschaft, in der nettesten Gruppe erscheint der dunkle Krake mit seinen gedanklichen Tentakeln aus den Untiefen des eigenen Unterbewusstseins. Wie wird mit dieser Angst vor Einsamkeit und dem Gefühl alleine übrig zu bleiben umgegangen? Oftmals Verleugnung oder Depression, Zynismus oder Clownerie. „Mir geht es so unglaublich gut!“ hört man dann, während gleichzeitig das Herz blutet. Es sind nur wenige Augen, durch die ein dankbarer Blick eines erfüllten Herzens strömt, weil der Krake der Angst das Zeitliche segnete. Eine Dankbarkeit, die alle Lebensbereiche und Lebenszeiträume umfasst.

Befreie mich von meiner Einsamkeit

Die Angst vor Ablehnung ist mir nicht unbekannt, vielmehr sehe ich mich als ein Spezialist in der praktischen Anwendung von Ängsten. Da ich schon in der Schulzeit der war, der in der Turnstunde ungewählt auf der Bank verblieb bis er einer Mannschaft zwangszugeteilt wurde, ist mir gelebte Ablehnung sehr bekannt. Meine Schulzeit, meine Karrierezeit und meine Beziehungen zu Frauen waren geprägt davon, endlich irgendwo dazuzugehören, angenommen und geliebt zu werden. Selbst als ich die letzten zehn Jahre meines Lebens in gemeinnützige Arbeit und eine Gemeinschaft steckte, erkannte ich: ich gehöre nicht dazu! Obwohl es sehr viele Menschen gab, die meine Nähe suchten, war deren Suche ebenso bestimmt durch ihre eigene Einsamkeit, selten aber einem tiefen ehrlichen Interesse an mir als Person. Hier in Finisterre erkenne ich immer mehr, dass keine Gruppe der Welt existieren kann, die mir das geben kann, was ich immer gesucht hatte: Zugehörigkeit, wahres Angenommen werden, wahrhaftige Liebe und Interesse an meiner Person. Wieso nicht? Weil ein wahrhaftig gebender Mensch nur ein Mensch sein kann, der selbst diese Frage des Lebens beantwortet hat, selbst die Fülle des Herzens gefunden hat, sich wahrhaftig „ganz“, angenommen und geliebt fühlt. Doch wer hat jene Herzensfülle in seiner absoluten Tiefe wirklich gefunden? Ich erkenne immer mehr, wie selbst meine eigene Vermittlung von Hilfe zur Selbsthilfe verwässert war von dem inneren Drang in dankbare Augen zu blicken, die mich für kurze Zeit meine eigene Einsamkeit vergessen ließen.

Erkennen und akzeptieren…

In meinem bisherigen Leben durfte ich äußerst selten in Augen blicken, die jegliche Einsamkeit und damit das Gefühl, von etwas getrennt zu sein, wahrhaftig überwunden hatten: meine zwischenzeitlich 100 Jahre alte Lehrerin Phyllis Krystal war eine der auf einer Hand abzählbaren Begegnungen und auch jene Person, die mich in den letzten neun Monaten liebevoll begleitete. Phyllis war es auch, die mir die Angst vor Veränderung nahm, durch sie wurde vieles des nun unglaublich Schönen und Wertvollen erst möglich. Vor ein paar Tagen sprach ich mit ihr, sie war guter Dinge, freute sich so sehr für Sandra und mich und plant gerade ihre Rückkehr nach England. Was ist ihr Geheimnis? Sie hat erkannt wie wichtig es ist, von Angst und Ablehnung frei zu werden. Das Überwinden der eigenen Angst und das sich Befreien von Ablehnung durch die Kraft von wahrhaftiger Vergebung ist ein Schlüssel um die tiefsteckende Emotion der Einsamkeit zu überwinden. Mache dir bewusst, dass es unmöglich ist, irgendwo absolut dazu zu gehören. Wenn ich erkenne und akzeptiere, dass selbst die, die scheinbar dazugehören selbst ebenso wenig dazugehören, nimmt es den unglaublichen Druck weg, sich selbst verbiegen zu müssen, um dazu zu gehören und gemocht oder geliebt zu werden. Man beginnt das zu leben, was einen selbst ausmacht und nicht das, was scheinbar hilft irgendwo dazu zu gehören. In dem Moment, wo man wirklich das lebt, was man selbst ist und nicht das, was man meint, das gefällt, wird man verbunden mit etwas, was sich als eine Urkraft in mir selbst beschreiben lässt. Und jene Kraft in mir ist es, die auch das nagende Gefühl der Einsamkeit vertreibt. Hier schließt sich der Kreis und zeigt das Paradoxon mit all seiner Ironie: ein sich einsam fühlender Mensch steht Schulter an Schulter unter Millionen von sich einsam fühlenden Menschen und erkennt nicht, dass er sich in guter Gesellschaft befindet.

Auch interessant:  Wenn Dogmen im Alkohol ertrinken

Lasse daher jede Ablehnung in deinem Leben ziehen. Erkenne, dass du auch in der Angst vor Einsamkeit nicht alleine bist. Lasse los, irgendwo dazu gehören zu wollen, folge deinem Herzen und bleibe dir selbst treu. Umgebe dich mit jenen Menschen, die dich um deinetwillen lieben und dich wertfrei betrachten können, egal was du tust. Dein Herz wird es dir mit einer Fülle von Freude danken und die Suche im Finden von wahrer Lebensfreude enden.

Anleitung zur Selbstreflexion - Eine Frau, die an einem Teich sitzt und ein Buch liestMein Geschenk an dich: Leitfaden zur Selbstreflexion

Für jene Menschen, die selbständig an sich arbeiten wollen, habe ich einen Leitfaden zusammengestellt, in dem ich beschreibe, wie du auf ehrliche und systematische Weise Selbstreflexion betreiben kannst. Du findest darin praktische Tipps, wie du all jene unbewussten Muster aufspüren kannst, die so viele Probleme verursachen. Die Abonnenten meines Blogs (das Abo ist kostenlos) können den Leitfaden zur Selbstreflexion gratis herunterladen. Hier kannst du dich eintragen, wenn du über neue Artikel von mir informiert werden möchtest, inklusive Gratisdownload meines achtseitigen Booklets.

Hat dir gefallen, was du hier gelesen hast? Um in Zukunft keine Artikel zu verpassen, kannst du dich hier mit mir verbinden: Newsletter, Facebook, Twitter, Google+ Profil. Keine Sorge, ich spamme nicht, wie Tausende von Followern bestätigen!

Bücher, die ich zur Thematik Einsamkeit und Achtsamkeit gerne empfehle

In Verbundenheit,

Graphische Unterschrift von Matthias Exl

 

 

Teile diesen Beitrag und unterstütze meine Arbeit!

15
Hinterlasse einen Kommentar

8 Comment threads
7 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
10 Comment authors
  Abonnieren  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Samuel Königbauer

Ja Habe die Ehre!!!;))
Bringst es mal wieder schön auf den Punkt,,,,”selbst unter idealsten Bedingungen…”
schonungslos ehrlich….Danke dafür!!
Freu mich aufs Wiedersehen!!!
Samuel

Barbara

Immer sind es wir die sich selber ausgrenzen., weil wir zb. leben was wir nicht sind oder etwas das nicht unseren wahren Träumen entspricht….die Sehnsucht im Herzen diese scheinbar unstillbare Gefühl…die Suche …das Warten…bis wir erkennen das das wonach wir suchen und das worauf wir warten -wir selber sind…

http://www.youtube.com/watch?v=Q4oInT79CUk

Liebe Grüße
Barbara

Monika

Paradox…
Lieber Matthias,
dein Artikel ist sehr interessant… ja, viele unserer Handlung – und auch ich schließe mich selbst nicht aus – passieren unter dem Filter “was denken die anderen” etc.
Das paradoxe dabei ist, dass gleichzeitig viele Menschen sich mehr denn je nach Freiheit und Unabhängigkeit sehen.
Der Mensch ist und bleibt ein Wesen mit komplexen Denk- und Handlungssträngen.

Ich wünsche Euch eine schöne Zeit in finnestere!
LG Monika

Katrin

Wie wahr sind deine Zeilen, auch ich bin eine unter Millionen die nirgendwo dazugehört und es doch so gern würde. Die Einsamkeit im Inneren ist oftmals unerträglich.
Deine Zeilen geben mir Hoffnung. Danke. Katrin

Angelika

Lieber Matthias,

ich sehe es nicht als Angst vor der Einsamkeit des Herzens, eher im Gegenteil das bedeutet für mich die Stille und Ruhe, man kann auch sagen den inneren Frieden gefunden zu haben.

Ich freu mich für Dich

alles Liebe

in tiefer Umarmung

Angelika

Edeltraud Gunzer

Servus lieber Matthias, habe erst vor kurzem von deiner Veränderung erfahren und ich freue mich für dich, dass du offensichtlich dabei bist, wieder eine großen Entwicklungssprung zu machen. Lese seitdem gerne deine Berichte und Gedanken und stimme dir in Vielem zu, auch was du über die Angst vor Verurteilung von anderen Menschen geschrieben hast. Das ist für mich eine große Herausforderung, genauso wie es für mich eine der größten Herausforderungen ist, mein Ego Schritt für Schritt zu “entmachten”. Ich denke gerne an unsere Begegnungen in Grassdorf und bin sehr dankbar, dir als einen meiner Lehrer begegnet zu sein, und ich… Weiterlesen »

Katja Elbe

Hallo lieber Matthias, jeder von uns ist so alleine, auch in einem Raum voller Menschen jeder von uns ist so alleine, auch wenn wir uns durch die modernen Medien davon ablenken wollen und es selten schaffen auch nur eine Minute zu uns zu finden, in Stille und Ruhe. Wieso ist dies so schwer? Wovor haben wir Angst? Wieso sind wir so leistungsorientiert und so abhängig von den Meinungen der Anderen, wenn wir doch alle gleich sind vor Gott! Wieso denken wir so viel? Wäre es nicht schön “verrückt” zu sein, dann würde man sich nie diese Fragen stellen und einfach… Weiterlesen »

Klemens

Danke, Matthias. Danke für diese Worte.
Klemens

Michael

Mathias, habe erst ein video von dir gesehen und einen brief gelesen. scheinst ein ehrlicher und sympathischer bursche zu sein. pass auf dich auf und lass dich nicht korrumpieren. ich bin jemand der keine angst mehr haben muss vorm verlassen werden, da ich im elend der verlassenheit sitze. ja, mal schauen vielleicht stehe ich ja auf. liebe grüsse, michael