Ein Mann sitz am Steg und meditiert über dem Meer

Höre auf zu suchen, während du voller Hingabe suchst!

In Gesundheit für die Seele by Matthias A. Exl15 Kommentare

Wieso enden so viele spirituelle Lehren in ihrer Umsetzung im Alltag in einer Sackgasse? Warum werden viele spirituelle Lehrer wunderbar verstanden, während nur wenig des Verstandenen im Alltag umgesetzt wird? Wieso wird Kopfwissen selten zur wahren Erfahrung des Herzens? Wo ist die Hingabe?

Jenen Lesern, die mich schon seit längerem begleiten, ist es vielleicht aufgefallen, dass ich in den letzten Monaten wenig über die Essenz des Seins, Advaita Vedanta, die Illusion der eigenen Identität oder über die Frage „Wer bin ich?“ geschrieben habe. Warum ich vermehrt über Thematiken des Alltages geschrieben habe und was dies mit Dogmen und dem Ego zu tun hat, erfährst du in diesem Blogeintrag.

Suchen und Finden

Selbst befinde ich mich schon sehr lange auf der Suche, und es war erst vor relativ kurzer Zeit, dass ich Essentielles finden durfte. Hier am Ende des Jakobsweges treffen viele glückliche und erfüllte Pilger ein, in deren Augen aber weiterhin die Suche nach dem Unbeschreiblichen wahrzunehmen ist. Dabei ist in diesem Satz schon das erste Paradoxon zu finden: Wer sucht? Die Antwort lautet: „Ich“ – das endliche, diese Welt erfahrende Ich befindet sich auf der Suche nach dem unendlichen Un-beschreibbaren. Doch wie könnte das Endliche das Unendliche überhaupt begreifen? Wie passen unendlich viele Liter Wasser in ein Gefäß mit einem Liter Inhalt? Es ist fast ein Schildbürgerstreich, jenen Trick zu versuchen oder zu glauben, dass dies möglich sei. Und dennoch ist dies genau das, was jeden Tag Millionen von Suchende tun. Haben sie nun Unrecht oder machen sie etwas falsch? Nein, denn jener von Erfolglosigkeit gekrönte Versuch führt letztendlich durch Erfahrung zum Loslassen und somit zum Erfolg. Das Ziel ist dann der Ausgangspunkt, nur mit dem Unterschied, dass man um einiges an praktischer Erfahrung reicher ist. So viel ist zu sagen: Alles, was schwierig scheint oder unglaublichen Aufwand erfordert, kann nicht die Lösung sein, das zu finden, was ohne Aufwand immer präsent ist. Und genau dieser Satz ist völlig falsch, da diesen das „Ich“ schon wieder als Regel verstehen wird und daraus einen Aufwand macht, jenen nämlich, ohne Aufwand suchen zu wollen.

Ich selbst habe viele Jahre mit den Lehren unterschiedlichster Lehrer verbracht, habe intensiv meditiert, gefastet und geschwiegen. All dies war für mich unbedingt notwendig und gleichzeitig sinnlos. Eines habe ich dabei jedoch direkt erfahren: Jeder meiner Lehrer scheiterte mehr oder weniger daran, dem Suchenden den Schlüssel in Form einer Lehre zu vermitteln. Fast jede Lehre führte dazu, dass sie entweder vom Schüler sehr schnell verworfen, nur verstanden oder in Akribie wortwörtlich und fast fanatisch umgesetzt wurde, während diese ihn gleichzeitig blockierte. Zur selben Zeit aber setzte die Lehre auch Dinge frei… Wie kann richtig und falsch nur so offensichtlich in einem Punkt ohne Widerspruch existieren? Dies ist der Moment, wo Gott schallend lacht…

Sei einfach!“ ist dem „Ich“ als Lehre nicht genug. „Sei dies…“ oder „Sei das…“ klingt schon besser und wird vom Schüler sehr gerne angenommen. Gleichzeitig schickt der Hinweis das „Ich“ aber wieder in eine der Sackgassen von Aktivität und Suche im Außen, wie auch im scheinbaren Inneren, welches aber ebenso wenig das wahre, pure Sein darstellt.

Jene Art des Lehrens ist aber genau deswegen ein Weg aus dem Labyrinth. Man erlebt eine Form des Ausschlussverfahrens: Was bleibt übrig, wenn ich alles verworfen habe? Bitte denke über diese Frage kurz nach!

Ich habe erkannt, dass jede Aussage von mir in der Vergangenheit Menschen auf eine Reise geschickt hat: „Wichtig ist es zu meditieren“, „Bist du das, was du denkst oder fühlst?“, „Werde stiller!“ – es gab sehr viele Ratschläge, die alle ihre wahrhaftige Berechtigung hatten und tatsächlich halfen und dienten. Es ließ aber außer Acht, was das „Ich“ oftmals aus vielen meiner Ratschläge formte: „Wenn ich nicht genug meditiere, wird dies nie etwas…“, „Ich beobachte den Denker und den, der fühlt und trotzdem geht es mir schlecht“, „Ich muss stiller werden, es ist aber so anstrengend, zu versuchen, still zu sein…“. Viele versuchten krampfhaft, das von mir Empfohlene richtig umzusetzen. Wieder andere verwarfen alles und sagten: Ich habe so genug von all den Dogmen, ich benötige diese nicht und kehre in mein Leben zurück, ohne den tiefen Sinn des Gelehrten erfasst zu haben.

Als ich bei einem meiner Lehrer – Mooji – in Indien ein längeres Schweigeretreat besuchte, sagte er am Anfang: „Ich möchte, dass jeder Einzelne von euch am Ende des Retreats erleuchtet ist“. Danach widmeten wir uns sehr intensiv der Advaita Vedanta. Ja, es wurden viele wundervolle Tage voller Erkenntnisse – doch vieles blieb rein auf der Ebene des Verstandes und wurde von den Teilnehmern weder integriert, noch führte es zu wahrhaftigem puren Sein, geschweige denn Erleuchtung. Ist dies nun der Fehler des Lehrers? Nein. Es ist das Problem des Ichs und seiner begrenzten Möglichkeit eine Lehre im größeren Kontext des Herzens zu erfassen.

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Ich erlebte viele Lehrer, die irgendwann eine Auszeit nahmen, wie auch Mooji es diesen Sommer tat. Die Einkehr und das Hinterfragen scheinen für viele Lehrer notwendig zu sein, um nicht im Fahrwasser der eigenen unbewusst aufgebauten Dogmen zu ertrinken und zu erblinden. Mir ist bewusst geworden, wieso auch ich eine absolut notwendige Auszeit benötigte: Ein Grund war sicherlich die Frage, ob ich Menschen tatsächlich diene. Gleichzeitig musste ich abwarten, um zu sehen, ob und wie Gott mich als Werkzeug einsetzen würde. In diesem Prozess war es notwendig, dabei weder dogmatisch Lehren zu predigen, noch als Kopie irgendeines Lehrers, der es scheinbar richtig macht, Weisheiten wiederkauend der Vorstellung von Suchenden zu entsprechen. Es geht also bei mir und meinem ultimativen Loslassen darum, selbst so ruhig zu werden, um mich so dem Strom völlig hinzugeben und von diesem verwendet zu werden oder eben auch nicht.

Dabei kristallisierte sich momentan als Dienst am Nächsten das Schreiben und die Auseinandersetzung mit den Alltagsthematiken des Menschen heraus. Es ist klar, dass ich lediglich Gedankenanstöße liefern kann und derzeit darf, die jeder von uns inklusive mir im Alltag sehr direkt und einfach umsetzen kann oder eben auch nicht.

So besteht die Chance, dass jeder Leser auf praktisch umgesetzte Weise im Alltag erfahren kann, wie viele Dinge, die man meint, aus freien Willen zu tun, tatsächlich aufgrund unterbewusster Thematiken ausgeführt werden. Man hat die Möglichkeit, praktisch zu erfahren, was wahre Beobachtung des „Ichs“ bedeutet. Eine Relativierung der eigenen Rolle im Film wird dadurch immer leichter möglich, ein praktisch umgesetztes Loslassen rückt in immer greifbarere Nähe. Irgendwann baut sich auf diese Weise ein tieferes Vertrauen in den Strom auf und die Synchronizitäten des Films werden immer sichtbarer.

Wahre Hingabe

So schreibe ich dir heute: Jede Erfahrung, die du machst, ist richtig und gut. Denn jeder von uns hat wahrlich das Recht, sich auch die Finger an einer Herdplatte zu verbrennen, ohne von einem ermahnenden Finger zurechtgewiesen zu werden. Ich habe weder eine Lehre, noch ein Dogma, welches ich vertreten könnte. Ich habe keine Intention oder eine Botschaft – weder für mich noch für dich! Lebe dein Leben in der für dich richtig scheinenden Art. Ich tue genau dies – jetzt! So bin ich nicht mehr oder weniger als ein von ihm aufgestelltes unscheinbares Hinweisschild am Straßenrand, welches auf einen möglichen Küstenweg mit Blick auf das Meer hinweist. Manche sehen das Schild, manche nicht. Manche folgen ihm, andere nicht. Einige freuen sich über das Schild, andere sehen es als Umweltverschmutzung. Was ist nun richtig oder falsch? Nichts, denn jede Sichtweise hat eine schlüssige Erklärung im Hintergrund. Ob Suchender oder nicht: Du befindest dich automatisch am Weg der Selbstfindung! Vertraue deinem Weg und deiner Erfahrung. Dein Weg ist gut und richtig. Du sammelst Erfahrungen, freud- und schmerzvolle. Dem, der mit offenem Herzen diese Zeilen liest, sei gesagt: Gerne zeige ich dir am Weg mögliche Aussichtspunkte, die dein Herz erfreuen. So verabschiede ich mich heute mit einem Gedanken zum Spirituellen Weg: Höre auf zu suchen, während du voller Hingabe suchst!

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Bücher, die ich zur Thematik spirituelle Suche gerne empfehle

In Verbundenheit,

Graphische Unterschrift von Matthias Exl

 

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Achim Lützelschwab

Wow!
Mehr kann ich dazu nicht sagen: wow!

Julia

Ich glaube hier passt das folgende Zitat (von unbekannt) recht gut:

“Wer zu sich selbst finden will, darf andere nicht nach dem Weg fragen.”

Dennoch höre/lese ich gerne andere Gedanken und mögliche Aussichtspunkte.

Das Ende der Suche bedeutet alles andere wie Stillstand. Das erste was sich aber setzt danach ist ein tiefer Friede. Es ist herrlich!

Liebe Grüsse
Julia

Gertrud Steindl

Ja. wir wollen zu viel. Dabei ist alles schon da, was wir brauchen. Ich habe Gott lange gesucht, jetzt kann ich nicht mehr. Ob er mich wohl finden wird?

Gerti Lintner

Es ist ein langer Weg um zu erfahren, dass wir Menschen immer erwarten, die heile Welt zu erreichen. Leider mit der Auflage, wir möchten sie schon von jemand, zugeschneidet serviert bekommen. Doch den Lernprozess nimmt uns keiner ab.Es ist gut, dich zu lesen, auch die Wegsuche mit dir weiter zu wandern. Danke..

Katrin

Danke!!!

Liebe Grüße

Katrin

Magda

Danke für deine Gedanken. Ich lese sie immer sehr gerne.

mlg Magda

Norbert

Stimmt schon. Es mag auch sinnvoll sein, die Gegenwart als Vergangenheit zu betrachten in der du korrigierend wirken kannst um dich später gut daran zu erinnern. Auf jeden Fall hinterlässt Du Deine Spuren, Matthias. Und das ist gut so.

Dennis

Vielen Dank für diese Gedanken, meine Frage die ich noch habe ist finde ich so auch zu Gott wenn ich ihn oder den unerschütterlichen Glauben an in verloren habe? … Liebe Grüße

Tom

Jahrelang suchte ich im Wald nach einer Truhe mit einer Schatzkarte.
Hab sie nicht gefunden. Mist.
Danach lief ich jahrelang durch den Wald und keine Lust mehr was zu suchen.
War auch nicht so toll.
Neulich war ich mit meinen Kindern im Wald und wir haben verstecken gespielt.
Hat Spaß gemacht. 🙂