Sandra und Matthias Exl am Jakobsweg

Leben ohne Lebensplan?

In Gesundheit für die Seele, Weltgeschehnisse & Auswirkung by Matthias A. Exl26 Kommentare

Ist es der Sinn und Zweck des Lebens, die Gegenwart der Absicherung einer möglichen Zukunft zu opfern? Kennst du den Würgegriff laufender Verbindlichkeiten, die die eigene Seele ersticken? Vielleicht ist es an der Zeit, die eigene Lebensplanung zu hinterfragen.

„Dies ist mein Haus“, sprach der mittlerweile knapp 80 jährige Japaner Prof. Kazuo Kon in Porto, als er mit dem Finger auf sein Auto zeigte. Lange war er auf Reisen gewesen, hatte unterschiedliche Länder besucht und verschiedenste Menschen getroffen. Der Lehrer von Judo und alternativem Wissen berührte Sandra und mich mit seiner Leichtigkeit, mit der er nicht nur über mehrere Stockwerke Stiegen hoch läuft, sondern auch sein Leben lebt. Kazuo Kon reist mit leichtem Gepäck – geistig wie physisch. Dies ist eine weise Fähigkeit, die nur wenige Menschen in ihrer Tiefe voll erfasst und tatsächlich verwirklicht haben.

Ist ein Lebensplan wichtig?

Kürzlich führte ich ein Gespräch mit jemandem, der mir erklärte, wie wichtig es sei, einen Lebensplan zu haben. Die Aussage erinnerte mich an mein Wirtschaftsstudium und der Theorie, dass jede Firma eine Vision und eine Mission definiert haben sollte. Selbstverständlich lassen sich Wirtschaftstheorien auch auf das praktische Leben umsetzen. Der Vorteil ist offensichtlich: Eine konkrete Lebensplanung schafft Sicherheit, das Leben wird planbar und ein gestecktes Ziel leichter erreichbar, als wenn man sich dem bei Künstlern sehr beliebten schöpferischen Chaos hingibt. Die letzten 20 Jahre meines Lebens verbrachte ich jenem Dogma folgend. Abgesichert lebte ich in einem schönen Haus, Katzen strichen um meine Beine, die Sozialversicherung buchte voller Freude jedes Monat die Beiträge von einem gedeckten Konto ab, während ich zu jedem 15ten des Monats zweifärbige Umsatzsteuererklärungen ausfüllen durfte. Die Schulden waren abgezahlt und mit einem genügsamen Lebensstil war es auch möglich, den Kaffee am Morgen und meine Berufung im Alltag richtig zu genießen. Eigentlich war alles für meine gesicherte Pension in gefühlten 150 Jahren vorbereitet… Ich hätte nur genau so weiter machen müssen, meine Strategie der geplanten Sicherheit hätte sich ausgezahlt, sofern ein ungeplanter Krebs mir nicht einen Strich durch die Rechnung machen würde. Ja, ich war frei! Wirklich?

Der goldene Käfig

Während für viele Menschen jenes Leben ein wahrer Traum wäre und manchmal auch ist, war es für mich eine Form von goldenem Käfig mit unsichtbaren und sichtbaren Gitterstäben. Zu viel war es, mit dem ich mich umgab, zu geplant mein Leben. Die erreichte scheinbare Sicherheit erstickte meine Seele durch den Würgegriff laufender Verbindlichkeiten. Mit „Reise mit leichtem Gepäck!“ zitierte meine mittlerweile 100 jährige Lehrerin Phyllis Krystal oft den universellen Lehrer Sai Baba. Tatsächlich lebt sie nach diesem Motto seit vielen Jahren. Im letzten Gespräch erwähnte sie, dass es nun an der Zeit sei, ihr Apartment in der Schweiz zu verlassen, um wieder nach England zu übersiedeln. In den letzten 10 Jahren siedelte Phyllis bereits von Amerika nach Deutschland, von Deutschland in die Schweiz und nun noch einmal nach England?

Selbstverständlich! Das Herz weiß in jeder Lebenslage, was zu tun ist. Eine Eigenschaft des Menschen ist es, sehr auf Sicherheit bedacht zu sein. Die Absicherung des eigenen Lebens erzeugt den Schein von Freiheit, weil die eigene nagende Angst vor dem Ungewissen befriedigt scheint. Für jene Absicherung der eigenen geplanten Zukunft ist man bereit, die Freiheit im Jetzt zu opfern. Harte Arbeit bezahlt die notwendigen Versicherungen – meine heute geschaffene Basis ist der Garant für meine erdachte Zukunft in Freiheit. Dieses Modell ist für viele Menschen erstrebenswert und funktioniert zu einem gewissen Grad manchmal gut, manchmal aber auch schlecht.

Ich lebe!

Wieso Phyllis oder Kazuo diesem nun nicht folgen, kann entweder Ausdruck puren Wahnsinns sein oder eben auch etwas anderes. Ich für mich habe nach einer Testphase des Lebensplan- und Absicherungsmodells erfahren, dass es mir nicht entspricht. Am Ende des Jakobsweges am Strand von Finisterre fragte jemand einen jungen Amerikaner, wieso dieser jetzt noch mit unbestimmtem Ziel weiter wandern wolle. Die Antwort war sehr kurz: „Ich lebe!“.

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Ich habe erkannt, dass ich lebe! Dies bedeutet im Umkehrschluss nun nicht, dass alle Menschen, die nicht meine Erfahrung machen, sondern sich für ein gutbürgerliches Leben entschieden haben, nicht leben. Es bedeutet nur, dass ich mich selbst in der konservativen Art des Lebens nicht mehr spürte und die Reise des Lebens mit leichtem Gepäck mehr dem entspricht, was für mich Leben bedeutet. Für mich ist der konstante Versuch der Zukunftsabsicherung, die Angst vor dem Unbekannten, die Versicherung des eigenen Lebens nicht mehr erstrebenswert. Jemand sagte zu mir, dass mein Leben bei Ablehnung aller konservativen Werte in der Zukunft zunehmend durch Sachzwänge fremdgestaltet würde und dass durch Planung dies in Zukunft nicht geschehen würde. Welche Ironie: Ich akzeptiere im Jetzt den Sachzwang etwas erschaffen zu müssen, um in einer trotz alledem ungewissen Zukunft dadurch vielleicht scheinbare Freiheit erfahren zu dürfen. Tatsache ist: Wahre Freiheit entsteht im Inneren im Hier und Jetzt.

Ich habe mich entschlossen – wie Sandra auch – dem Herzen zu folgen: Im Jetzt nicht nur die Zukunft planend zu überleben, sondern wahrlich zu sein und das Leben jetzt so anzunehmen, wie es ist. Und es ist leicht, nachdem ich mich von den von mir selbst bewusst erschaffenen Fesseln und Verbindlichkeiten befreit habe. Ich musste nur auf die Absicherung meiner Zukunft verzichten. Sind nun Ziele gut oder schlecht? Weder noch. Es kommt lediglich darauf an aus welcher Quelle diese entstehen: Ist es Freude, tiefes Vertrauen und Leichtigkeit, ist alles in bester Ordnung. Ist es aus Zukunftsangst oder Sorge, ist es Zeit, das zugrunde liegende Gefühl zu hinterfragen. Heute weiß ich: Wenn der Tag kommt, an dem ich meine Pilgerreise beende und mit Sandra sesshaft werde, wird es mit leichtem Gepäck sein. Ungeplant, dann nämlich, wenn er es für richtig hält und das voller Lebensfreude ohne Bedauern.

Wie heißt es in der Bergpredigt?

„Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen.“

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Bücher, die ich zum Thema Lebensplan gerne empfehle

In Verbundenheit,

Graphische Unterschrift von Matthias Exl

Matthias Exl in einem Frisörladen in Lissabon

 

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Andrea

Dazu gibt es für mich nur 2 Worte die doch auch so vieles aussagen.

“Besitz besitzt!”

Wie wahr.

Rebekka Kopeinig-Shahali

Lieber Matthias, ja deine Worte “treten” offene Türen bei mir ein…..Auch ich wurde von meinen Eltern so erzogen,”abzusichern” denn ohne Besitz und “vorsorgen” ist man/frau ja dem “Verderben” ausgeliefert….(Scherz) Doch sicher meinten sie es aus Sorge oder eben ihrem Wissenstand gut mit dem allem, was sie mir in mein Leben “einpackten”…..Ich höre den Spruch direkt laut “wenn ich erst einmal in Pension bin” den viele meiner Freunde sagen, dann werde ich dieses und jenes tun….. Und ich selber war auch dieser Ansicht,nur mehr 15 Jahre “schuften” dann kann ich tun und lassen was ICH will……. WIESO soll ich warten, wenn… Weiterlesen »

Angelika

Hallo lieber Matthias,

vielen herzlichen Dank für deine so offenen Zeilen. Im Moment fehlen mir so sehr die Worte, Worte die du uns immer und immer gibst und welche so wertvoll sind.

Ich bin fest in Gedanken bei dir und wünsche dir eine wunderbare Reise mit unendlichen schönen Eindrücken, die dir dein noch mehr Herz erleuchtet!

Alles Liebe Dir, fühl dich umarmt

Angelika

Maria Stauder

Cooler Haarschnitt, jedes Gramm zählt!

Sandra

Namaste lieber Matthias,

“Wir selber gestalten unsere Welt. Gott ist der beste Führer, und Er wohnt in unserem Herzen.” Sai Baba
Sieben Jahre hast du mir und meinem Leben eine Richtung gegeben. Letzte Nacht umarmte ich dich im Traum – ich spürte Dankbarkeit und tiefe Verbundenheit.

Om Sandra

PS: Du hattest noch lange Haare 🙂

gertrud steindl

Lebenspläne werden oft umgeworfen. Aber rätst Du mir mit 49 Jahren keine Pläne mehr zu machen?

Liebe Sandra, lieber Matthias,

ich freue mich seeeeeeeeeeeeeeehr für Euch. Das, was ihr macht und lebt, fühlt sich in meinem Herzen ganz einfach stimmig, sehr wertvoll und liebevoll an.

Reist weiter mit leichtem Gepäck und ihr werdet weiterhin Eure Liebe, die ihr ausstrahlt und Euer Glück an Eure Mitmenschen weitergeben dürfen. Ein Satz hat mich besonders berührt:
“Ich habe mich entschlossen – wie Sandra auch – dem Herzen zu folgen”.

Ich sende Euch Liebe, Licht und Segen aus Fisterra

Buen Camino

Manolo

Elisabeth Engel

ihr beiden Lieben, ich kann sehr gut nachfühlen, wie gut es euch geht. ich kenne diese Erfahrungen in Ansätzen, weil ich selbst unglaublich gern unterwegs bin. so ein modernes Nomadentum nehme ich dankbar als für mich beste Lösung in diesem Leben an. das ist für mich überhaupt der Punkt: Dankbarkeit. ich war heute morgen dankbar, durch den von Alexander so wunderbar bestellten Garten zu streifen und köstliches Obst und Gemüse zu ernten. und ich werde übermorgen dankbar sein, wenn wir mit unserem kleinen, zum Schlafauto umbaubaren Auto unterwegs in die nächste freie Nomadenzeit sein werden. unser Vierjähriger macht das alles… Weiterlesen »

Magda

Hallo Mathias!
Danke für deine Worte, sie helfen mir immer wieder meinen Weg weiterzugehen. Auch wenn dieser in der heutigen Gesellschaft oft als “der falsche Weg” gesehen wird. Ich finde es sehr schlimm das ein jeder Mensch einer bestimmten Norm entsprechen muss / soll. Du gibst mir mit deinen Worten den Mut und die Kraft meinen Weg weiterzugehen.
mlg Magda

Tobias Straub

“Wir können nur wollen, was wir wollen” (A. Schopenhauer). In jedem ist ein Streben angelegt. Das kann darin münden, einem Ziel nachzugehen, einem eigenen Plan zu folgen oder sich dem Zufall zu überlassen. So hat jeder eine Vorstellung von seiner Zukunft und wie er seine innere Kraft einsetzen will. Welche hatten vor Konzerne zu beraten oder eine lange Wanderung zu machen. Man kann auch dem Ziel nachgehen, andere zu missionieren oder Ratschläge zu geben. Kein Mensch aber ist ohne ein Streben zu einem Ziel hin. Auch sich der Stille oder Meditation hinzugeben ist ein Ziel. Einen Plan zu folgen ist… Weiterlesen »