Ein Paar, das sich umarmt

Schlechte Dinge: sehen oder ignorieren?

In Gesundheit für die Seele by Matthias A. Exl11 Kommentare

Vieles kann im eigenen Leben geschehen, das einen aus der Bahn wirft. Konflikte in der Arbeit oder in der Beziehung, schwierige Verhaltensweisen im Familienverband. Ungerechtigkeiten, die man nicht versteht, können einem das Leben erschweren und Bauchschmerzen bereiten. Was ist zu tun? Soll ich schlechte Dinge nun ansehen, diese ignorieren oder schönreden? Oder liegt die Lösung gänzlich woanders verborgen?

Kürzlich erhielt ich eine Anfrage eines Lesers, der aktiv den Selbstfindungsweg beschreitet. Bei vielen Treffs sprach ich darüber, wie wichtig es sei, den Geist auf das Positive auszurichten. Der Grund hierfür ist einfach: es ist eine Form von spiritueller Disziplin, um das Ego in die Schranken zu weisen. Wieso tut man dies? Um nicht jeder Gemütsregung des Ichs nachzugeben, um zu erkennen, dass der Teil, der unzufrieden ist, immer neue Aspekte findet, über die er sich beklagen kann. Durch die Übung des Ausrichten des Geistes erfährt der Mensch, dass er diese innere nörgelnde Stimme nicht ist! Vielmehr ist es möglich, den Dramateil zu beobachten und alles, was beobachtbar ist, kann ich selbst nicht sein. Ich beobachte den Teil und identifiziere damit den Lügner in mir, der als Ausdruck purer Unzufriedenheit nach Aufmerksamkeit heischt.

Beachte ich nun schlechte Dinge?

Ein Fehler, der am Selbstfindungsweg oft gemacht wird, ist, das Ausrichten des Geistes fehl zu interpretieren. Der Suchende meint, nicht mehr über gewisse Dinge nachdenken zu dürfen. Dies ist vollkommen verkehrt und erzeugt klassische Verdrängung, welche eine Reihe von Problemen nach sich zieht. Vielmehr sollte ich sehr wohl genau hinsehen, was scheinbar Schlechtes in meinem Leben geschieht. Ich kenne viele Suchende, die hinter der „Es geht mir so gut“ und „ich bin die Verkörperung von Liebe“-Maske manchmal still aber auch laut vor sich hin leiden. Dies hat mit wahrer Selbstfindung und Selbsterkenntnis wenig zu tun. Vielmehr sollte ich meine Schmerzpunkte ansehen, erkennen und annehmen, genau so wie meine aggressiven Seiten des Schattens genauer unter die Lupe nehmen. Als solches lautet die Antwort ganz klar: JA, sehen Sie sich die schlechten Dinge an!

Was sind schlechte Dinge?

Spannend wird die Frage, was denn schlechte Dinge sind. An diesem Punkt sollte uns klar werden, dass es viele problematische Geschehnisse gibt. Durch nichts lassen diese sich „schönreden“. Gewalt, Lieblosigkeit, Ungerechtigkeit, Lug und Trug sind auf der Welt allgegenwärtig. Dies lässt sich auch durch ein friedvolles Buddhalächeln und ein „Namaste“ nicht wegzaubern. Dinge nehmen ihren Lauf, das Rad des Lebens dreht sich, Geschenke und Prüfungen warten auf uns. Licht und Schatten sind untrennbar miteinander verbunden, dies ist, was das Leben ausmacht. Wärme wird durch Kälte erst unterscheidbar. Worüber wir keine Kontrolle haben, ist, ob das Schicksal zuschlägt oder einfach nur meine Uneinsichtigkeit korrigiert. Das Spiel des Lebens wird von einem unsterblichen Croupier geleitet, der immer auf´s Neue die Kugel ins Spiel bringt. Rot oder schwarz, Gewinn oder Verlust liegen in seiner ewigen Hand, ob uns dies gefällt oder nicht. Die Frage ist lediglich, wie wir unsere Einsätze – die sogenannten Prioritäten im Leben – setzen.

Kontrolle über das Leben

So sollte es uns am Weg irgendwann klar werden, dass wir in diesem Spiel keine Kontrolle über die Kugel haben sondern lediglich über unsere Einsätze. Für was wir aber die Verantwortung haben, ist die Wahrnehmung des Spiels und was mit den Einsätzen geschieht. Ein und das selbe Ereignis können von zwei Menschen komplett unterschiedlich wahrgenommen werden. Der eine beschwert sich über den Ausgang des Spiels, ohne nur einmal über die eigenen Einsätze nachzudenken, während der andere still wird und seinen Anteil erkennt. Dies bedeutet: die Interpretation, die Wahrnehmung von Ereignissen liegt im Auge des Betrachters. Die spirituelle Übung lautet: erkennen Sie den, der betrachtet und interpretiert. In welche Richtung interpretiert jener Teil: ist er ein notorischer Schönredner, dass alles unter dem „Licht und Liebe“-Mäntelchen schon in Ordnung ist? Oder aber ist es der krankhafte Nörgler, der immer und immer wieder das Haar in der eigenen und jedermanns Suppe findet? Oder ist der Teil schon dahingehend gereift, dass der Beobachter eine Distanz sowohl zum Licht als auch zum Schatten hat und das Spiel der Spiele erkennt?

Auch interessant:  Über die wirklich wichtigen Dinge im Leben...

Wahre Gelassenheit

Je nachdem, wie weit der Beobachter und Interpret des Schauspiels erkannt wurde, stellt sich wahre Gelassenheit ein. Wahre Gelassenheit bedeutet nicht, eine aufgesetzte ewig scheinbar friedvolle Stimme, während hinter den freudlosen Augen tiefe Wut brodelt und Traurigkeit vorherrscht. Wahre Gelassenheit ist auch nicht das Predigen von Dogmen, die nur gebetsmühlenartig wiedergegeben werden, während sie im eigenen Leben laufend gebrochen werden. Wahre Gelassenheit ist die tiefe Ruhe, die stille See hinter all dem selbstdarstellerischen Spektakel, zu dem der Mensch so gerne tendiert. Wahre Gelassenheit erlaubt dem Suchenden jegliches Werkzeug einzusetzen, welches eine Situation erfordert: bestimmtes Auftreten oder ein meditatives Lächeln, alles ist möglich. Gut oder schlecht ist nicht relevant. Es ist was es ist, was immer es ist. Wer bin ich, dass ich meine zu wissen, was richtig oder falsch ist? Ich bin lediglich der stille Beobachter des Beobachters – und selbst der bin ich nicht.

„Wenn wir mit einem Finger auf jemanden zeigen, zeigen drei Finger auf uns zurück. Oder jenes, in dem es heißt, dass wir kein Urteil über einen Menschen fällen sollen, bevor wir nicht einen Kilometer in seinen Schuhen gelaufen sind. Ständige Bewertung und Verurteilung ist eine extrem verbreitete und bedenkenlos angewendete Verhaltensweise in unserer Kultur. Ich kann mich gut an die Geschichte eines Mönchs erinnern, der beschloss, als Teil ihrer Praxis keine wertenden Worte mehr zu benutzen. Er berichtete, dass die Gespräche so weit zurückgingen, dass es fast auf ein Schweigen hinauslief.” – “Schatten auf dem Pfad” von Abdi Assadi

Wir sehen, es ist wichtig, alle Aspekte des Lebens anzusehen und sich nicht nur auf einen Teilaspekt zu versteifen, auch wenn dieser noch so lichtvoll scheint. Ein ehrliches Hinsehen zu sich selbst, dem eigenen Leben und ein daraus resultierendes Handeln führt zu einer Gesundung und wahrer Ruhe und Herzensliebe. Heute ist ein guter Tag, die damit verbundenen Ängste zu überwinden. Wieso also auf Morgen warten?

Anleitung zur Selbstreflexion - Eine Frau, die an einem Teich sitzt und ein Buch liestMein Geschenk an dich: Leitfaden zur Selbstreflexion

Für jene Menschen, die selbständig an sich arbeiten wollen, habe ich einen Leitfaden zusammengestellt, in dem ich beschreibe, wie du auf ehrliche und systematische Weise Selbstreflexion betreiben kannst. Du findest darin praktische Tipps, wie du all jene unbewussten Muster aufspüren kannst, die so viele Probleme verursachen. Die Abonnenten meines Blogs (das Abo ist kostenlos) können den Leitfaden zur Selbstreflexion gratis herunterladen. Hier kannst du dich eintragen, wenn du über neue Artikel von mir informiert werden möchtest, inklusive Gratisdownload meines achtseitigen Booklets.

Um in Zukunft keine Artikel zu verpassen, kannst du dich hier mit uns verbinden: YouTube, InstagramFacebook, Twitter, PinterestGoogle+ Profil. Keine Sorge, wir spammen nicht, wie Tausende von Followern bestätigen!

Literatur, die ich zum Thema gerne empfehle:

In Verbundenheit,

Graphische Unterschrift von Matthias Exl

Teile diesen Beitrag und unterstütze meine Arbeit!

11
Hinterlasse einen Kommentar

5 Comment threads
6 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
6 Comment authors
  Abonnieren  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Cherry

Danke lieber Matthias für diesen Blogeintrag! Den Fehler, den ich meiner Meinung gemacht habe, ist, dass ich die schlechten Dinge als schlechte Dinge angesehen habe und manchmal Angst davor habe und hatte. Baba hat mir geholfen es zu schaffen, den Plan dahinter zu erahnen, indem er kleine Brotkrümel legte, was wiederum das Gedankenkarusell beruhigte. In der letzten Zeit hatte ich ein paar Situationen, von denen ich gewohnt war, dass ich schon vor dem Aufstehen im Bett, Magenschmerzen bekommen hatte, weil ich davor Angst hatte und nervös war. Dieses Gefühl hat sich in Freude gewandelt, bevor ich überhaupt in der Situation… Weiterlesen »

Rebekka Kopeinig-Shahali

Lieber Matthias, herzlichen Dank wieder für deinen letzten Beitrag “Schlechte Dinge: sehen oder ignorieren”. Für mich kam das wieder passend wie noch nie zuvor. Nun,dazu kann ich in meiner momentan Situation nur sagen: ES kommt nicht einfach “so” daher! Wie du weisst,hat sich ja vor einer Woche in meiner Familie auch etwas ereignet,was wie ein Tsunami” über uns,meinen Sohn und mich “hereingebrochen” ist. Nachdem sich der erste Schock “gelegt” hatte,war für mich ganz klar,das war ein Zeichen für eine Veränderung für meinen Mann und in weitere Folge für unsere Familie. Wenn du auf einmal von einer Sekunde zur anderen “alleine”… Weiterlesen »

Gerti Lintner

Lieber Matthias ! Es gibt immer Neues zu lernen,Enttäuschungen inbegriffen.Die Emotionen dürfen raus.

Durch Loslassen,die Sicht verändern,wird auch das Gute daran erkannt.Auch wenn es schwer fällt.

Auch diesen Weg gegangen.Eine Träne im Lächeln.Danke für deine erbauenden Worte.

Angelika

Danke dir lieber Matthias,

du schreibst deine “Fragen und Hinweise” immer in großen Lettern,

das kleinere darunter ist sehr lesenswert, aber viele Fragen beantworten sich einfach nur durch die Frage!

Somit ein sehr herzliches Danke an eine Quelle, an die man sich wenden kann.

Alles Liebe

Angelika

Norbert

Dein Zitat von Abdi Assadi ist wieder mal so ein Gedankenanstoss für eine neue Sichtweise. Allein wenn wir es schaffen, uns in jeder Phase des Lebens selbst zu beobachten, sind wir schon echte Könner. Ich nehme auch niemandem ein Buddhalächeln ab das keines ist. Denn von den 26 Gesichtsmuskeln des Menschen sind im Wesentlichen acht für die Mimik verantwortlich und wenn nur ein Gesichtsmuskel zum Lächeln verzerrt, dann ist das nicht Buddha.